Die beiden nebeneinanderliegenden Parzellen, aus denen das
spätere Mühlengrundstück entstand, verkaufte der Büdner August Semmler,
Deutsch-Rixdorf, am 23. Mai 1856 für 440 Taler an den Bäckermeister Friedrich Jentsch in
Britz. Sie lagen zwischen dem heutigen Buckower Damm und dem Hüfnerweg, zusammen in einer
Größe von 4 Morgen 130 Quadratruten. Jentsch erbaute sich darauf ein Wohnhaus, eine
Scheune und einen Stall, außerdem richtete er sich eine Bäckerei ein.
Am 4. Oktober 1861 ging infoge Versteigerung das Grundstück
an den Kaufmann Heinrich Simon, Berlin, für 2495 Taler über, der es am 13. Oktober 1862
an den Bäckermeister Friedrich Wilhelm Schulz für 5500 Taler veräußerte. Laut
Adjudikationsbescheid vom 25. Februar 1865 erhielt das Grundstück der Holzhändler Carl
Rudolf Wismar, Berlin, für 1450 Taler zugeschlagen.
Da Wismar bis zum 2. Mai 1865 die Kaufgelder noch nicht
belegen konnte, übertrug er alle Rechte aus dem Adjudikationsbescheid an den
Mühlenmeister Johann Wilhelm Gottlob Dörfer, Berlin, Schönhauser Allee 167c. Dieser
belegte am 13. September 1865 die Kaufgelder und wurde damit Eigentümer des Grundstücks.
Dörfer (Doerfer) baute nunmehr eine holländische Mühle, die sich als einzige der sechs
Britzer Mühlen (siehe Liste unten) bis heute erhalten hat. Als Baujahr gibt F.
Steffien (Die Britzer Mühlen, Mittlgsbl. d. Bürgervereins Britz, 1933. Heft 10, S.59)
das Jahr 1869 an; mit großer Wahrscheinlichkeit ist sie aber schon 1865, spätestens 1866
gebaut worden. Am 17. Oktober 1874 überließ Dörfer das Mühlengrundstück dem
Mühlenmeister Karl Albert August Stechan für 19000 Taler, wovon 2000 Taler auf das
mitverkaufte bewegliche Mühleninventar sowie die Bestände entfielen.
Dörfer schein ein sehr wanderlustiger Müller gewesen zu
sein, der es außer in Britz anscheinend nie lange an einem Ort ausgehalten hat. Nach dem
Verkauf der Mühle war er 1876 in Sägemühle b. Deutsch-Krone, 1877 in Berlin, Lausitzer
Platz 3, 1878 in Neumühle bei Friedeberg und wahrscheinlich zuletzt in Friedenau (1880).
Er dürfte auch derjenige Mühlenmeister Dörfer gewesen sein, der 1860 die Absicht hatte,
auf der Feldmark Alt-Steglitz eine Bockwindmühle mit zwei Mahlgängen zu erbauen (Telt.
Kreisblatt 1860, Nr. 203, S. 59).
Stechans Mutter, die später verwitwete Mühlenmeister Laura
Auguste Louise Peters geb. Krüger, wohne anfangs bei ihrem Sohne in Britz; sie verstarb
am 6. Juni 1891 zu Berlin. Von einer missglückten Schlittenfahrt des Mühlenmeisters
Stechan berichtete das Teltower Kreisblatt vom 26. Januar 1893: "Wir teilen dieser
Tage mit, dass ein Britzer Einwohner hinter der Verbindungsbahn ein herrenloses Pferd
angetroffen und in Britz eingestellt habe. Der Eigentümer dieses Pferdes war der
Mühlenmeister Stechan in Britz, welcher per Schlitten nach Lichtenrade gefahren
war. Als er dort das Gespann kurze Zeit ohne Aufsicht hatte stehen lassen, war das Pferd
mit dem Schlitten auf und davon gegangen, dem heimatlichen Stalle zu. Unterwegs war der
Schlitten verloren gegangen, gelangte jedoch ebenso wie das Pferd wieder in den Besitz des
Eigentümers." Albert Stechan verbesserte 1894 seinen Mühlenbetrieb durch einen
Kesselanbau an der Remise.
Nach dem Tode Stechans im Jahre 1928 verpachteten die Erben
weiterhin die Mühle. Am 4. September 1940 ging das Mühlengrundstück für 48.000 Mark an
die Firma Friedrich Hauck & Co. in Tempelhof über.
Der Pächter des Holländers war seit 1925 der
Mühlenmeister Franz Bensdorf (später Buckow). Bis 1936 wurde die Mühle noch durch Wind
angetrieben, dann durch einen Dieselmotor. Im Jahre 1941 übernahm der Sohn Richard
Bensdorf den Mühlenbetrieb. Ende 1943 wurde die Mühle durch Bombeneinwirkung teilweise
zerstört und stillgelegt. Nach dem Kriege (1947) ließ Bensdorf wieder technische Anlagen
einbauen, die er, nachdem er 1951 seine moderne Mühle in Alt-Buckow in Betrieb genommen
hatte, 1953 wieder ausbaute. In den zwei Jahren diente die Mühle nur noch zum Mahlen von
Schrot. Der Plan eines heimatvertriebenen Müllers, in der jetzt unbenutzten Mühle einen
modernen Betrieb einzurichten, konnte der Kosten wegen nicht verwirklicht werden.
In den Jahren 1958/59 wurde die unter Denkmalschutz stehende
Mühle äußerlich wieder in ihren alten Zustand hergerichtet; es wurden die Flügel
repariert bzw. neu hergestellt und die Haube und der Mühlenkörper mit Holzschindeln neu
gedeckt. Die benötigten 30.800 Schindeln aus imprägniertem Fichtenholz wurden aus
Württemberg, wo die Schindelfabrikation zu Hause ist, bezogen. Auch der Umgang wurde
wieder hergestellt.
Das Land Berlin erwarb 1958 das Mühlengrundstück von dem
Architekten Franz Hauck, Tempelhof, für 100.000 DM. Über die Verwendung der Mühle bzw.
des Grundstücks ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Die bisherigen Vorschläge
beziehen sich auf die Errichtung eines Jugendhauses, einer Kindertagesstätte oder eines
Ausflugslokals.